Krisenzeiten gehören zum Unternehmertum dazu – ob durch globale Pandemien, wirtschaftliche Abschwünge, politische Instabilitäten oder branchenspezifische Veränderungen. Für viele Unternehmen sind solche Phasen eine enorme Belastungsprobe, insbesondere wenn es um die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit geht. Eine vorausschauende und systematische Liquiditätsplanung wird in solchen Zeiten zur Überlebensstrategie.
In diesem Beitrag zeigen wir praxisnah, wie Unternehmen auch in schwierigen Zeiten ihre Liquidität sichern, finanzielle Engpässe frühzeitig erkennen und strategisch gegensteuern können.
1. Was bedeutet Liquiditätsplanung?
Liquidität beschreibt die Fähigkeit eines Unternehmens, seinen finanziellen Verpflichtungen jederzeit nachkommen zu können – also Gehälter, Mieten, Lieferantenrechnungen oder Steuern fristgerecht zu zahlen. Eine Liquiditätsplanung wiederum ist ein systematischer Prozess, bei dem sämtliche zu erwartenden Ein- und Auszahlungen erfasst und analysiert werden, um Engpässe frühzeitig zu erkennen.
Warum ist das besonders in Krisenzeiten wichtig?
In wirtschaftlich stabilen Phasen laufen viele Prozesse automatisch: Zahlungen treffen regelmäßig ein, die Zahlungsziele sind kalkulierbar, und finanzielle Spielräume bestehen. In Krisenzeiten jedoch bricht diese Stabilität weg – Kunden zahlen später, Umsätze brechen ein, Kosten bleiben bestehen. Ohne professionelle Liquiditätsplanung laufen Unternehmen Gefahr, in eine finanzielle Schieflage zu geraten – mit potenziell existenzbedrohenden Folgen.
2. Die Grundlagen der Liquiditätsplanung
- a) Ermittlung des Anfangsbestands: Kassenbestand und Kontostände aller liquiden Mittel bilden die Basis.
- b) Erfassung der Einzahlungen: Zahlungseingänge, Fördermittel, Kredite, Einlagen, Steuererstattungen.
- c) Erfassung der Auszahlungen: Gehälter, Mieten, Rechnungen, Kredite, Investitionen.
- d) Zeitliche Zuordnung: Möglichst genaue Aufteilung auf Tages-, Wochen- oder Monatsbasis.
- e) Szenarioanalyse: Mindestens ein Best-Case- und ein Worst-Case-Szenario durchspielen.
3. Krisenfaktoren erkennen und quantifizieren
Typische Risiken in Krisenzeiten sind:
- Umsatzeinbrüche
- Zahlungsverzögerungen oder -ausfälle
- Fixkostenbelastungen trotz Umsatzrückgang
- Ungeplante Sonderkosten (z. B. Energie, Sicherheit, Maßnahmen)
Diese müssen quantifiziert und in die Planung einbezogen werden.
4. Strategien zur Sicherung der Liquidität
a) Kosten senken – ohne Zukunft zu gefährden
- Variable Kosten identifizieren und reduzieren
- Fixkosten überprüfen (Mieten, Abos, Fuhrpark etc.)
- Kurzarbeit prüfen
- Investitionen nur mit hoher Priorität tätigen
b) Zahlungsmanagement optimieren
- Offene Forderungen aktiv einfordern
- Skonto oder Anzahlungen bei Kunden anbieten
- Zahlungsziele bei Lieferanten verhandeln
- Sale-and-Lease-Back prüfen
c) Finanzierungsmöglichkeiten prüfen
- KfW- oder Landesförderungen nutzen
- Factoring und Betriebsmittelkredite prüfen
- Beteiligungskapital aufnehmen
d) Staatliche Hilfsprogramme nutzen
Steuerstundungen, Tilgungsaussetzungen, Zuschüsse – je nach aktueller Lage. Wir unterstützen bei der Auswahl und Antragstellung.
5. Liquiditätssteuerung im Tagesgeschäft
- Wöchentliche Liquiditätsübersicht für die Geschäftsleitung
- Ampelsystem zur Visualisierung
- Digitale Tools: DATEV, Excel, Power BI, Agicap, u. v. m.
- Klare Zuständigkeiten im Team definieren
6. Kommunikation in der Krise
- Banken: Frühzeitig informieren, Planung vorlegen
- Lieferanten: Ratenzahlung oder spätere Zahlung vereinbaren
- Mitarbeiter: Offen kommunizieren – z. B. bei Kurzarbeit
- Kunden: Kulanz zeigen, aber Zahlungsziele einhalten
7. Tools und Vorlagen für die Praxis
Wir empfehlen standardisierte Excel-Tools mit Wochenplan, Prognose, Szenarienvergleich und Ampellogik. Alternativ arbeiten wir mit digitalen Tools und verknüpfen diese mit Ihrer Buchhaltung. Fragen Sie gerne nach einer kostenlosen Vorlage!
8. Fazit: Krisenfest durch professionelle Liquiditätsplanung
Liquiditätsplanung ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit – vor allem in Krisenzeiten. Wer seine Zahlungsströme kennt und steuert, verschafft sich Handlungsspielraum, Stabilität und Sicherheit.
Sie sollte regelmäßig aktualisiert werden und zur Chefsache erklärt werden – auch nach der Krise.